Schwarz-Gelbe Träumereien – Aufstehen!
Wellen der Entrüstung schütteln das Land. CDU und FDP haben uns viel versprochen, jetzt gerade mal zwei Wochen nach der Wahl zeigt sich, dass sie nur wenig mehr als Nichts davon einhalten können. Die Reaktionen der Presse waren vorauszusehen. ZEIT und BILD, WELT und Süddeutsche, Stern und Spiegel liegen sich inhaltlich in den Armen.
Von allen Seiten schallt es Wahlbetrug, die Oppositionsparteien fordern Neuwahlen und Union und Freidemokraten sind in den Umfragewerten eingebrochen wie noch nie zuvor.
Wie? Davon haben sie nichts mitbekommen?
Kein Wunder. Denn das ist ja auch nicht passiert. Zumindest die Entrüstung und der Presserummel fehlt, inhaltlich ist alles wie dargestellt. Egal, ob nun die versprochene und nichtgewollte Steuersenkung oder die Entlastung der Familien. Die großen Eckpunkte für Schwarz-Gelb kippen mit der Zeit alle. Nicht mal für eine entschiedene Agenda für die Atomkraft hat es (dankenswertersweise) gereicht.
Und auch die Entrüstung feht ein wenig in diesem Lande, das Minister teeren und federn will, weil sie ihren Dienstwagen mit in den Urlaub nehmen. Und die sich ob eines “Vertrauensbruches” Andrea Ypsilantis wieder an den Hals von Roland Koch werfen.
Was gerne vergessen wird sind Lügen, Verbrechen und Betrug seitens des bürgerlichen Lagers. Kohls Bestechlichkeit? – Einige fordern für ihn den Friedensnobelpreis und sehen in ihm nach wie vor einen der besten Kanzler. Filbingers Nazivergangenheit? – Laut Althaus doch eher ein Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Kochs schwarze Kassen und seine “jüdischen Vermächtnisse? – Wieder in Amt und Wüden mit dem Mann. FJS und die Spiegel-Affaire? – Eigentlich doch ein reinrassiger Politiker, von denen wir heute viel mehr bräuchten.
Merkels Betrug betreffs der Asse? Die Tatsache, dass es in Deutschland kein (nicht mal nach den Maßstäben der Wirtschaft) sicheres Endlager gibt? – Geschenkt, wir wollen dennoch die Laufzeitverlängerung und natürlich auch Schwarz-Gelb.
Menschen, von denen man nichts erwartet verzeiht man auch gerne mal Betrügereien. Und “der Deutsche” ist da oft ganz vorne mit dabei.
Hessen und Anne Will – Zwei Trauerspiele
Nun ist es soweit. Hessen hat seinen Lieblingsministerpräsidenten wieder.
Roland Koch ist wieder in Regierungsverantwortung und freut sich darüber. Wie ich als Liberal-Sozialist dazu stehe ist ja relativ eindeutig.
Ein Mensch, der beim letzten Wahlkampf mit rechtspopulistischen Parolen versuchte hat Pluspunkte zu sammeln und den diesjährigen durch Aussitzen und das Unvermögen der sozialdemokratischen Gegenkandidatin gewonnen hat soll nun wieder dafür prädestiniert sein ein Land verantwortungsvoll zu regieren?
Ich für meinen Teil kann auf diese Fragen nicht mit Ja antworten.
Aber in den nächsten fünf Jahren werden sich Roland Koch und die nützlichen Idioten von der FDP beweisen müssen. Ich wünsche ihnen dabei viel Glück und hoffe, dass Thorsten Schäfer-Gümbel im nächsten (selbsverständlich gewonnen) Wahlkampf nicht vor einem Scherbenhaufen steht, sondern zumindest noch ein Fundament des Hauses Hessen vorfinden wird.
Das er Potential hat mehr zu sein als der Notnagel für Ypsilanti, der man an dieser Stelle, bei aller Sympathie, große machtpolitische Fehler unterstellen kann, hat er mehr als bewiesen. Angefangen bei der Absage betreffs der Koalition mit der Linkspartei, die auf jeden Fall nicht umsetzbar war, bis zur fehlenden Einsicht der Unmöglichkeit einer Minderheitsregierung hat Ypsilanti das Vertrauen gebrochen und somit eine Wiederwahl Roland Kochs möglich gemacht.
Wie es nun so bei Wahlen ist, man schaut doch mal wieder in die öffentlich-rechtliche Berichterstattung rein, die ja doch immerhin ein gewisses Maß an Seriösität aufweist.
Auch dieses Mal war die Berichterstattung in Ordnung, aber die daraf folgende Runde bei Anne Will konnte man sich nicht lange antun. Spätestens seit der Krankheit und dem Tod des Papstes und ihrer widerwärtigen Berichterstattung, die vor Hollywood-Pathos und Zuckerguss-Kitsch nur so troff, stehe ich dieser Frau recht kritisch gegenüber.
Abgesehen davon, dass ich schon Christiansen nie wirklich gemocht habe, ist die Sendung von Will mit erschreckender Regelmäßigkeit eine Zumutung. Vorher schon nicht in der Lage einigermaßen kompetent und neutral zu berichten, besserte sich das auch in ihrer Talk-Show nicht im Mindesten.
Im Gegenteil, viel mehr noch als in ihrer Nachrichtensendung, wo ein gewisses Halten an die Fakten ja Zwang ist und somit die tendenziöse Berichterstattung nur in gemindertem Maße zu spüren war, wird hier die grade zu ins Auge bzw. Gesicht springende Parteinahme von Anne Will deutlich.
Nachdem sie der vor einem knappen Jahr auf den Versuch eines LiNKE-Abgeordneten eine Stelle der Bayrischen Vervassung vorzulesen, die mit einer seiner Äußerungen wortgleich war, von der ebenfalls anwesenden CSU-Generalsekretärin Christine Hadertauer aber in Unwissenheit als “unrealistische Traumvorstellung” abgetan wurde kumpelhaft eben dieser Christine Hadertauer mit den Worten “lassen sie ihm doch den Spaß, er versucht lustig zu sein” zuzwinkerte war für mich das Maß voll.
Heute habe ich es dummerweise wieder gewagt einen Blick in ihre Sendung zu werfen, nur um mich daraufhin wieder ohne Ende zu ärgern. So viel Arroganz, wie Sarah Wagenknecht und Klaus Wowereit dort entgegenkam war echt eine absolute Blamage für die ARD.
Selbstverständlich ist die Position von Wagenknecht eine recht schwierige und Will selbst kann über sie jeder Meinung sein, aber ein wenig Fairness hätte man auch von einer Anne Will erwarten können. Ich für meinen Teil war vom Auftreten Wagenknechts nicht sonderlich überrascht, höchstens positiv. Ihr Diskussionsstil war freundlich und angemessen und alleine damit hatte sie den Herren Rüttgers und Friedmann einiges voraus.
Von Friedmann, an dessen Stelle ich mich übrigens überhaupt nicht mehr an die Öffentlichkeit trauen würde, war ja nichts anderes als Arroganz und ein Haufen gefährlichen Halbwissens zu erwarten, aber was sich die Will dort Woche für Woche leistet ist echt der Gipfel der Unverschämtheit.
Ich plädiere für eine Absetzung des ganzen Diskussionszirkus, Sinn macht die ganze Runde nur mit einem intelligenten und einigermaßen seriösen Moderatoren, wie Frank Plasberg es ist.
Wobei der diesen Status in seiner Sendung vom 7.1.2009 ja auch ein wenig leichtfertig aufs Spiel gesetzt hat, aber bei mir nur Pluspunkte für diese beinah schon kabarettistische Einlage bekommen hat.
Ein Avatar verlässt uns…
Zumindest scheint es so, als würde Josef Ackermann es in Betracht ziehen der deutschen Bank und somit Deutschland den Rücken zu kehren. Der Grund: Die UBS in der Schweiz sucht nach einem neuen Vorstitzenden, von den Qualitäten Ackermanns scheint dort jeder überzeugt zu sein.
Was bedeutet das nun für den Finanzstandort Deutschland und sollten wir nicht froh über den Weggang dieses unmöglichen Finanzjongleurs sein?
Wie so oft, ist die Sachlage viel zu kompliziert um hier mit ja oder nein zu antworten bzw. dem Leser Prozentzahlen und Milliardensummen um die Ohren zu hauen. Viel mehr sollte die eigentlich Rolle von Josef Ackermann in dieser Krise und seine tatsächliche Bedeutung hinterfragt werden.
Josef Ackermann sind im Groben und Ganzen wärend seiner Tätigkeit als Chef der deutschen Bank zwei wesentliche gesellschaftliche Aufgaben zugekommen.:
Erstens hat er der Regierung beratend mit seinem Fachwissen zur Seite gestanden und seine Überzeugungen in die Reformen mit eingewoben, inweifern das jetzt sinnvoll oder ~los für die BRD war sei jetzt einfach mal dahingestellt.
Die zweite und viel wichtigere Aufgabe Ackermanns war es zu jeglicher Zeit, im Falle eines Skandals, der in irgendeiner Art und Weise die elitäre Finanzwelt betraf, die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so jegliche Ursachenanalyse von vornherein durch allgemeine Empörung unmöglich zu machen. Um es mit den Worten Hagen Rethers zu sagen: Er wurde uns als Avatar vor die Nase gehalten, ohne irgendeine Wirkung zu erzielen durfte jeder Stammtisch einmal sein Nädelchen in die Ackerman-Voodoopuppe stecken und jeder war zufrieden.
Auch Volker Pispers Bild ist sehr geeignet um hier die Situation zu verdeutlichen.
Ja, gut, er benutzt diese Metapher nicht für Ackermann, aber wer sagt, dass für den Kampf auf dem Parkett nicht passt, was für den Irakkrieg gilt.
Ackerman war die letzten Jahre das Arschloch im Wandschrank. Jeder durfte mal dem bösen Kapitalisten seine Verachtung ins Gesicht spucken und dann war wieder Ruhe, die Kleinanleger wurden immer noch nach Strich und Faden verarscht, die Menschen entlassen, die Renditen erhöht.
Diese Rolle hat Ackermann jahrelang mehr als gut gespielt, dafür haben ihm die konservativen Kräfte und die Begünstigten der Finanzkrise gedanken; erfolgreich hat Ackermann, ob willentlich, oder nicht, Reformen entgegengewirkt, die das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt und den Strom wert, mit dem sie verschickt werden. Die marktextremistische Ideologie wurde weiter publik gemacht, bis jeder Harz 4 Empfänger sie glaubte. Für unseren Ackermann hat sich das Ganze gelohnt, das sagt uns sein Jahresgehalt. Leistung hat es tatsächlich geliefert, aber ob es die von der Gesellschaft bestellte war ist äußerst fragwürdig.
Was ist nun die Moral der ganzen Sache? Genau genommen kann man eines garantiert für die Zukunft lernen: Sich in Einzelpersonen, die für das System stehen zu verbeißen ist massivst kontraproduktiv, dem sollte sowohl mit persönlicher Einstellung, aber auch mit medialer Einflussnahme entgegengewirkt werden. Die ganzen Ablenkungen, die durch Presse und Nachrichten geistern sind eine Verneinung der Aufgabe von Zeitungen und Medien.
Der Primus ist hier die BILD, die sich, auf gerichtliche Anordnung hin, nicht mal mehr Zeitung nennen darf, dicht gefolg vom STERN und dem SPIEGEL. Die frei Presse scheint ihre Ziele aus den Augen zu verlieren, oder aber sie setzt sich neue. In jedem Fall ist die derzeitige Entwicklung eine Katastrophe, Desinformation scheint die Parole des recht jungen Jahrhunderts zu sein.
Rühmliche Widerständler gegen die Verdummung der Presse sind die FAZ , die Süddeutsche und vor allen Dingen die ZEIT.
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