of a socialdemocratic outlook on life…

gegen den Zensusliberalismus

Hessen und Anne Will – Zwei Trauerspiele

Nun ist es soweit. Hessen hat seinen Lieblingsministerpräsidenten wieder.

Roland Koch ist wieder in Regierungsverantwortung und freut sich darüber. Wie ich als Liberal-Sozialist dazu stehe ist ja relativ eindeutig.

Ein Mensch, der beim letzten Wahlkampf mit rechtspopulistischen Parolen versuchte hat Pluspunkte zu sammeln und den diesjährigen durch Aussitzen und das Unvermögen der sozialdemokratischen Gegenkandidatin gewonnen hat soll nun wieder dafür prädestiniert sein ein Land verantwortungsvoll zu regieren?

Ich für meinen Teil kann auf diese Fragen nicht mit Ja antworten.

Aber in den nächsten fünf Jahren werden sich Roland Koch und die nützlichen Idioten von der FDP beweisen müssen. Ich wünsche ihnen dabei viel Glück und hoffe, dass Thorsten Schäfer-Gümbel im nächsten (selbsverständlich gewonnen) Wahlkampf nicht vor einem Scherbenhaufen steht, sondern zumindest noch ein Fundament des Hauses Hessen vorfinden wird.

Das er Potential hat mehr zu sein als der Notnagel für Ypsilanti, der man an dieser Stelle, bei aller Sympathie,  große machtpolitische Fehler unterstellen kann, hat er mehr als bewiesen.  Angefangen bei der Absage betreffs der Koalition mit der Linkspartei, die auf jeden Fall nicht umsetzbar war, bis zur fehlenden Einsicht der Unmöglichkeit einer Minderheitsregierung hat Ypsilanti das Vertrauen gebrochen und somit eine Wiederwahl Roland Kochs möglich gemacht.

Wie es nun so bei Wahlen ist, man schaut doch mal wieder in die öffentlich-rechtliche Berichterstattung rein, die ja doch immerhin ein gewisses Maß an Seriösität aufweist.

Auch dieses Mal war die Berichterstattung in Ordnung, aber die daraf folgende Runde bei Anne Will konnte man sich nicht lange antun. Spätestens seit der Krankheit und dem Tod des Papstes und ihrer widerwärtigen Berichterstattung, die vor Hollywood-Pathos und Zuckerguss-Kitsch nur so troff, stehe ich dieser Frau recht kritisch gegenüber.

Abgesehen davon, dass ich schon Christiansen nie wirklich gemocht habe, ist die Sendung von Will mit erschreckender Regelmäßigkeit eine Zumutung. Vorher schon nicht in der Lage einigermaßen kompetent und neutral zu berichten, besserte sich das auch in ihrer Talk-Show nicht im Mindesten.

Im Gegenteil, viel mehr noch als in ihrer Nachrichtensendung, wo ein gewisses Halten an die Fakten ja Zwang ist und somit die tendenziöse Berichterstattung nur in gemindertem Maße zu spüren war, wird hier die grade zu ins Auge bzw. Gesicht springende Parteinahme von Anne Will deutlich.

Nachdem sie der vor einem knappen Jahr auf den Versuch eines LiNKE-Abgeordneten eine Stelle der Bayrischen Vervassung vorzulesen, die mit einer seiner Äußerungen wortgleich war, von der ebenfalls anwesenden CSU-Generalsekretärin Christine Hadertauer aber in Unwissenheit als “unrealistische Traumvorstellung” abgetan wurde kumpelhaft eben dieser Christine Hadertauer mit den Worten “lassen sie ihm doch den Spaß, er versucht lustig zu sein” zuzwinkerte war für mich das Maß voll.

Heute habe ich es dummerweise wieder gewagt einen Blick in ihre Sendung zu werfen, nur um mich daraufhin wieder ohne Ende zu ärgern. So viel Arroganz, wie Sarah Wagenknecht und Klaus Wowereit dort entgegenkam war echt eine absolute Blamage für die ARD.

Selbstverständlich ist die Position von Wagenknecht eine recht schwierige und Will selbst kann über sie jeder Meinung sein, aber ein wenig Fairness hätte man auch von einer Anne Will erwarten können. Ich für meinen Teil war vom Auftreten Wagenknechts nicht sonderlich überrascht, höchstens positiv. Ihr Diskussionsstil war freundlich und angemessen und alleine damit hatte sie den Herren Rüttgers und Friedmann einiges voraus.

Von Friedmann, an dessen Stelle ich mich übrigens überhaupt nicht mehr an die Öffentlichkeit trauen würde, war ja nichts anderes als Arroganz und ein Haufen gefährlichen Halbwissens zu erwarten, aber was sich die Will dort Woche für Woche leistet ist echt der Gipfel der Unverschämtheit.

Ich plädiere für eine Absetzung des ganzen Diskussionszirkus, Sinn macht die ganze Runde nur mit einem intelligenten und einigermaßen seriösen Moderatoren, wie Frank Plasberg es ist.

Wobei der diesen Status in seiner Sendung vom 7.1.2009 ja auch ein wenig leichtfertig aufs Spiel gesetzt hat, aber bei mir nur Pluspunkte für diese beinah schon kabarettistische Einlage bekommen hat.

19. Januar 2009 Geschrieben von | society, television | , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Plasberg und Guido Westerwelle

http://www.welt.de/vermischtes/article2985233/Gregor-Gysi-erfuellt-Plasbergs-kuehnste-Traeume.html

Ich habe mir die Frechheit herausgenommen auf den Artikel des Herrn Schneider zu antworten.

Ein wenig spät bin ich ja, aber die Folge von Hart aber Fair am 7. war für mich ein Großereignis, der Kommentar hingegen so ziemlich der absolute Bodensatz der journalistisch Arbeit des neuen Jahres.
Zum einen halte ich relativ wenig von der Linkspartei, dennoch komme ich nicht umhin, der LiNKEN meine Anerkennung auszusprechen, Gysi präsentiert sich wiederholt als scharfer Kopf, der mehr über Wirtschaftskompetenz verfügt als die selbsternannten Experten.
Den obrigen Artikel empfinde ich als höchstgradig peinlich für eine recht seriöse Zeitung, wie die WELT. Zum Artikel: Einen erdachten Fauxpas als Skandälchen einzustreuen zeugt von der fehlenden Seriösität des Autors. Wobei der Herr Schneider ja in einigen Punkten nicht Unrecht hat, in gewissem Sinne war diese Sendung durchwachsen, hatte aber für mich mehr als nur einen Höhepunkt.
Gysi hat sich tapfer gegen diese visionslose Polittriplett zur Wehr gesetzt, mit einer klar erkennbaren Stringenz in der Argumentation, und ohne sachlich fundierten Widerspruch seitens Kauder und Struck. So sehr ich Struck für seine Direktheit und seine leicht unangenehme Art schätze, Willen zum Gestalten kann ich bei ihm nicht mehr erkennen.
Den Westerwelle lasse ich aus, dass er und Gysi sich auf die Pest nicht ausstehen können, hat sich mehr als einmal gezeigt. Gysis Nachhilfe in Geschichte (Steuern!) war klar erkennbar kein Freundschaftsbeweis gegenüber Westerwelle.
Mein absolutes Highlight war das Exklusivinterview mit Westerwelle. So herrlich durch den Kakao gezogen wurde dieser selten. Plasberg war die (verständliche) Freude überdeutlich anzumerken.

15. Januar 2009 Geschrieben von | policy, television | , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nur für kurze Zeit: Anstaltswochen in der Sozibäckerei

Die mittlerweile 20. Folge von Neues aus der Anstalt ist diesen Dienstag über die deutschen Bildschirme geflimmert.

Begründet von Urban Priol und Georg Schramm, dem Vertriebenen des Scheibenwischers, hat die Anstalt für mich seit ihrer ersten Ausstrahlung den Scheibenwischer als Primus der deutschen Politsatire mit jeder Folge entmachtet.
Aus der früheren musischen Spielwiese des “deutschen Gewissens”, Dieter Hildebrandt, wurde ein zunehmend klamaukiges Machwerk, das seine politische Brisanz und Provokanz verliert. Das Erbe wird von den Herren Jonas und Riechling nichtmals ausreichend verwaltet. Jeder seriöse Notar würde feststellen, dass dem Testament nicht ansatzweise entsprochen wurde.
Aber der Scheibenwischer soll nicht Thema dieses Beitrags sein. Vielmehr der Inhalt der Anstaltssendung vom Dezember 2008.
Dieses Mal waren Jochen Malmsheimer, Monika Gruber, Dieter Hildebrandt (!) und Rainald Grebe samt der Kapelle der Versöhnung als Gast mit von der Partie.
Wie immer ein furioser Beginn, in dem Priol innerhalb von Minuten pointiert und mit einer gewissen Art von chaotischer Struktur Überblick über die Geschehnisse der letzten Wochen verschaffte.
Die Krise lässt auch in der Anstalt ihre Spuren sehen: Die Weihnachtsfeier ist geprägt von Verzicht und Kürzungen. Sehr zur Freude von Lothar Dombrowski, Schramms Paraderolle. Der hat wie immer seine querulantische Ader ausgelebt und wollte die Weihnachtsfeier mit mehr Inhalt füllen, als es Priol lieb war. Konsumverzicht und Podiumsdismussionen lassen das Herz der Anstaltssendung natürlich nicht höher schlagen.
Mitten in diese wunderbar gegensätzliche Unterhaltung platzt Malmsheimer, der zwar sich zwar immer um politische Standpunkte herumwindet, aber mit seiner manischen Art und episch anmutenden Wortkonstruktionen die Lachmuskeln stellenweise an die Grenze der Belastung bringt.
Ein wahrer inhaltlicher Orgasmus hingegen waren wie immer die Soli Schramms.
Die WELT:

Georg Schramm, der große Moralist und Humanist, gibt dem Kabarett zurück, was ihm die Comedy gestohlen hat: Brennende Relevanz

Selten hat diese Zeitung so recht gehabt. Diverse Fakten, die die stetige Pervertierung dieses Systems verdeutlichen, wurde einmal mehr herausgenommen und eiskalt demaskiert. Für Bush, der sich im Irak mit einigen irakischen Schuhen konfrontiert sah, hatte er den passenden Spruch parat.

Sie werden jetzt denken: Schade, dass kein Fuß im Schuh war. Aber das ist falsch. Denn nichts ist für Moslems eine größere Schande als mit Schuen beworfen zu werden.

Inhaltlich wurde die SPD wieder einmal abgewatscht. Und man kann es ja auch nicht anders sagen: Wir Sozen haben es echt verdient. Keinerlei Idealismus und Verbesserung lässt sich bei den Sozialdemokraten feststellen.
Helmut Schmidt meinte dazu einmal ganz richtig:

In den grundlegenden Fragen muss man naiv sein. Und ich bin der Meinung, dass die Probleme der Welt und der Menschheit ohne Idealismus nicht zu lösen sind. Gleichwohl glaube ich, dass man zugleich realistisch und pragmatisch sein sollte

Der Auftritt des “August”, meiner Lieblingsfigur Schramms, war diesmal hochqualitativ, aber nicht von dieser extremen hohen Emotionalität geprägt, wie es sonst der Fall ist. Dennoch war das “Duett” mit Hildebrand mehr als sehenswert.
A Porpos Hildebrand: Eine wahre Wonne war seine Wiederbelebung von Herbert Wehner. In seinem Namen hat er zu der Diskussion über das NPD-Verbot, welches natürlich wieder ein kurzzeitiges Thema sein wird, da sich nichts, aber absolut nichts lange in unseren Medien hält.
Eine weitere Rolle Schramms, die des Stiftungsvertreters, hat die neoliberale Ideologie mehr als gekonnt zugespitzt. Eigenverantwortung und Konsum als alleiniger Daseinszweck sollte die Leere dieses letzten aller Heilsversprechen jedem vor Augen geführt haben.
Ein fulminater Abschluss war Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung mit dem Lied: “Ich bin der Präsident.” Ich bekomm das Lied jetzt noch nicht aus dem Kopf raus…
Insgesamt wieder eine sehr ansprechende Sendung, auch, wenn mir die unbändige Wut Dombrowskis ein wenig gefehlt hat. Aber wenn er immer an die Decke gehen würde, dann wäre es ja auch nichts Besonderes mehr.
Auf eine neue Staffel 2009!

18. Dezember 2008 Geschrieben von | Kabarett, television | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

   

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